PROJEKT FÜR DIE AUSSTELLUNG
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SHELTER

EINE BEGEGNUNG

DIE GESCHICHTE, DAS KONZEPT
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Die erste Begegnung mit den mächtigen Metallobjekten: Auf einer Waldlichtung, mitten in der unwirklichen, angehaltenen Welt des Lockdown.
Es waren etwa acht von ihnen, mehrere Meter grosse, schwere Eisen-Objekte. Und sie standen, geliefert und nicht abgeholt, in willkürlicher Anordnung und doch platzsparend, einfach da und warteten. Die Baumaschinen standen still, keine Menschen und kein Lärm. Die Zeit floss träge an ihnen vorbei und durch sie hindurch.
Ohne Kontext war nicht zu erraten was sie waren und was sie hier taten. Die Witterung hatte sich bereits an ihnen abgearbeitet, sie glühten in einem spektakulären Farbspektrum. Magische Spuren auf ihrer Oberfläche. Sie sandten etwas Unverständliches, aber Wahrnehmbares aus.

Es fing an zu regnen. Hier kam nie jemand vorbei. Auch ich war nur ein zufälliger Besucher. Jemand der im vorbeigehen angehalten wird von einem Farbvibrieren am Rande der Gewohnheit. Der von Neugier näher getrieben wird. Der staunend umrundet und versucht zu verstehen was er sieht. Und der dann, von den ersten Regentropfen mutig geworden, Schutz suchend, durch eine Öffnung eintritt. Und dort nach wenigen Minuten begreift dass er hier bleiben wird.

Hier drinnen, ohne direktes Licht, waren diese grossen Wesen ganz anders. Sie hatten ungeahnte Kanten, Facetten und Tiefen, die Farben schimmerten tief, die Grösse der inneren Zwischenräume tönte dumpf von Regen und Wiederhall, vom fernen rausch des Waldes, von den eigenen Gedanken. Etwas umfing mich. Die nächsten Wochen und Monate war Stillstand in der Aussenwelt. Wir hatten diese Zeitinsel in der wir anhalten konnten, geschenkte Zeit, und ich verbrachte sie im Schutz der rostigen Wesen. Erkundete ihre Tiefe, ihre Weite, die Formen und Farben. Immer wieder und von Neuem. Wir hatten einen gemeinsamen Alltag.

Die Kamera fing nun nicht mehr die Wirklichkeit ein. Die Fotografie liess sich selbst und ihre Stärken zurück. Hunderte Langzeit- Aufnahmen entstanden von einem einzigen minutiös komponierten Augenblick, von einer einzigen Perspektive, von einem einzigen Ausschnitt der Sichtbarkeit. Die Räumlichkeit verlor ihre Bedeutung, wurde eine einzige scharfe Fläche, ein ebenes Bild, ein Farbklang.
Fotografie wird zu Malerei: Alles liegt auf der Ebene die dem Künstler und dem Betrachter am nächsten liegt. Mehr Nähe geht nicht. Ich habe sie so nahe geholt wie möglich. Sie vibrieren direkt vor meinem Gesicht, die Farbe umgibt den Betrachter, nur die Intensität der Farbe zählt.

Dem Betrachter bleibt die Räumlichkeit verborgen. Er sieht sie nicht, soll sie nicht sehen. Es soll ein Geheimnis bleiben, ein verborgener Ort der niemandem verraten wird. Was er sehen darf ist aber die Essenz, die komprimierte Schönheit. Er soll ahnen aber nicht begreifen, soll in die Irre geführt werden wie in einem Labyrinth in dem man alle Koordinaten verliert. Er soll die Suche und die Eile aufgeben und hinsehen. Die Zeitinsel spüren aus der alle Bilder an die Oberfläche kommen.
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